Wie werde ich Freelancer in Deutschland?

Wie werde ich Freelancer in Deutschland | Tennerr

Wie wird man eigentlich Freelancer in Deutschland? In diesem Beitrag möchte ich dich in die Welt der Freelancer entführen und zeigen wie einfach es ist Freelancer zu werden und seinen Beruf selbst-bestimmend und unabhängig jeden Tag nach zu gehen. Wer weiß, vielleicht entscheidest du dich am Schluss auch für diesen Weg und beginnst ein neues Abenteuer oder findest dadurch deine Berufung.

In Deutschland kann grundsätzlich jeder, unabhängig Alter und Herkunft, Freelancer werden. Um jedoch voll geschäftsfähig zu sein muss man mindestens 18 Jahre alt sein. Wer unter 18 Jahren Geschäfte abschließen möchte, muss die Wirksamkeit des Vertrags mit der Einwilligung der Eltern oder aus eigenen Mitteln bestreiten (Taschengeldparagraph). Freiberufler bezahlen keine Gewerbesteuer und müssen am Jahresende lediglich eine Einnahmen-Überschuss Rechnung Nach § 4 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes erstellen. Um Freiberufler zu sein muss eine Tätigkeit, die in § 18 des Einkommenssteuergesetzes aufgeführt wird, ausgeführt werden. Hierzu zählen wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeiten. Deine Freelancer Tätigkeit beginnt mit der Anmeldung beim Finanzamt.

Kannst Du mit deinem Wissen Geld verdienen?

Jeder Mensch kann etwas und jeder kann damit auch ein geregeltes Einkommen generieren. Ein möglicher und sehr gut funktionierender Weg ist es freiberuflich anderen Menschen oder Unternehmen zu helfen. Allerdings musst du einen Schritt zuvor erst mal herausfinden was du anbieten kannst und ob diese Tätigkeit unter den sogenannten freien Berufen fällt.

Viele Freelancer waren schon mal angestellt und haben in einem Unternehmen Erfahrung und Arbeitsweisen gesammelt, die sie nun als Freelancer nutzen können. Starte damit, dich selbst zu fragen ob du es dir vorstellen könntest deinen aktuellen Beruf als Freelancer und damit auf eigene Rechnung auszuführen. Wenn deine Antwort „Ja“ lautet oder dir der Gedanke ein gutes Gefühl vermittelt, dann kann ich dir gratulieren. Du hast die erste von zwei Hürden genommen. Keine Sorge, wenn du gleichzeitig ein mulmiges Gefühl im Sinne von Unsicherheit verspürst. Das ist normal und auch gut so. Denn alles was neu ist und nicht in unserer Komfortzone fühlt sich erst mal ungewohnt an.

Wenn du jedoch zu dem Entschluss kommst, dass du deinen aktuellen Beruf nicht auf selbstständiger oder freiberuflicher Basis ausüben möchtest, dann wird es Zeit herauszufinden was dein Weg sein könnte. Du hast im Laufe deines Lebens Wissen gesammelt, welches du nutzen kannst um anderen Menschen zu helfen. Wenn du nicht genau weißt mit was du Starten kannst dann lohnt sich vielleicht ein Blick in unser Ideenpool. Hier haben wir über 200 Vorschläge gesammelt, mit denen du dich Selbständig machen kannst und andern Menschen helfen kannst.

Nun ist es aber auch wichtig zu wissen ob dein ausgesuchter Beruf auch unter den Freien Berufen fällt und du dich offiziell Freelancer bzw. Freiberufler nennen darfst.

Unter den Freien Berufen zählen:

  • Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Heilpraktiker, Krankengymnasten, Hebammen, Heilmasseure, Diplom-Psychologen
  • Mitglieder der Rechtsanwaltskammern, Patentanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigte Buchprüfer (vereidigte Buchrevisoren), Steuerbevollmächtigte
  • Ingenieure, Architekten,
  • Handelschemiker, Lotsen, hauptberufliche Sachverständige,
  • Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer und ähnliche Berufe sowie Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller, Lehrer und Erzieher

Die im Einkommensteuergesetz genannten Freien Berufe wie Anwalt, Buchprüfer oder Ingenieur werden als Katalogberufe bezeichnet. Daneben haben sich auch einige den Katalogberufen ähnliche Freie Berufe etabliert. Dazu zählt das Institut für Freie Berufe:

Aushilfsmusiker, Bergführer, Bildhauer, Designer, Diätassistent, Dirigent, EDV-Berater, Erfinder, Erzieher, Fotografen, Kameramann, Künstler, Dozent, Logopäde, Magier, Marketingberater, Marktforscher, Musiker, Raumgestalter, Schauspieler, Schriftsteller, Tanzlehrer, Tanz- und Unterhaltungsmusiker, Unternehmensberater, Visagist, Werbetexter und viele weitere.

Einen Link zum Katalog der Freien Berufe findest du am Ende des Beitrags. Wenn du dir unsicher bist ob deine angestrebte Tätigkeit eine freiberufliche Arbeit erlaubt, dann ruf bitte deinen Berater beim Finanzamt an. In der Regel erhältst du wirklich schnell und kompetent eine Antwort. Alternativ kann dir auch ein Steuerberater oder ein Gründungsberater eine Auskunft geben.

Wenn du nun weißt was du machen willst und der Beruf auch noch unter den Freien Berufen fällt, dann wird es Zeit, dass du Nägel mit Köpfen machst und dich beim Finanzamt meldest.

Der Staat will es wissen

Jetzt wird es richtig ernst. Bevor du aber richtig mit deiner Leidenschaft loslegen kannst, musst du erstmal, wer hätte das gedacht, Formulare ausfüllen. Hast du schon mal eine Steuererklärung ausgefüllt? Wenn ja, dann sollten die acht Seiten kein Problem darstellen und du hast es fix erledigt.

Du hast noch keine Steuererklärung selbst ausgefüllt? Du hast richtig gelesen es sind wirklich acht Seiten. Aber keine Angst, es ist wirklich einfacher als es aussieht. Es gibt eine online Ausfüllformular inklusive Ausfüllhilfe welches du ausgefüllt ausdrucken und an das Finanzamt senden kannst. Es dauert maximal 10 Minuten und geht am schnellsten wenn du ein paar Unterlagen vorbereitest.

Folgende Unterlagen solltest du parat haben, um die nötigen Infos heraus zu ziehen:

  • Bankverbindung
  • Anschrift und Infos zu deinem Steuerberater, falls vorhanden
  • Deine Einkünfte aus allen deinen Tätigkeiten.
  • Organschaftauskunft, falls vorhanden
  • Steuerunterlagen
  • Angaben zu Mitarbeitern, wenn du welche einstellst

Du merkst, dass einige Dokumente für dich nicht in Frage kommen. Das liegt ganz einfach daran, dass der gleiche Erfassungsbogen sowohl für die Gewerbeanmeldung und Beteiligung an Personengesellschaften, als auch für die Anmeldung einer freiberuflichen Tätigkeit geeignet ist. Das bedeutet für dich ganz konkret, dass ganz viele Felder weg fallen werden und nur wenige eine Rolle für dich spielen.

Zwei wichtige Felder sind aber „4. Angaben zur Gewinnermittlung“ und „7.3 Kleinunternehmerregelung“ sein. In 99 % der Fälle wirst du, wenn du als Freiberufler anfängst, die Einnahmenüberschussrechnung zur Gewinnermittlung wählen. Das ist eine einfache Rechnung am Jahresende in der du deine Einnahmen und deine Ausgaben aufsummierst und dadurch deinen Gewinn ermittelst. Wenn du dir nicht sicher bist ob eine andere Gewinnermittlung für dich in Frage kommt dann sieh dir bitte die Ausfüllhilfe an oder frag am besten das Finanzamt.

Ebenso verhält es sich mit der Kleinunternehmerregelung. Normalerweise wählen die meisten Freiberufler diese Regelung, weil sie im ersten Jahr nicht über einen Gesamtumsatz von über 17500 EUR hinauskommen. Solltest du natürlich wissen, dass deine Tätigkeit diese Grenze voraussichtlich überschreitet, dann verzichte auf diese Regelung. Du musst aber dafür jeden Monat bis zum 10. deine Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt eingereicht haben.

Ist das kompliziert? Auf keinen Fall. Entweder du gehst über einen Steuerberater der das für dich macht, oder du willst Geld sparen und machst es selbst. Dazu gibt es Software, die deine Rechnungen erstellt, bucht und die Voranmeldung direkt an das Finanzamt versendet. Google einfach nach „Umsatzsteuervoranmeldung Software“.

Eine wichtige Formularkleinigkeit gibt es allerdings noch zu beachten. Wenn du dich erfolgreich als Freiberufler beim Finanzamt gemeldet hast, musst du nun ab sofort die Anlage S bei deiner Steuererklärung ausfüllen und hinzufügen. Darüber hinaus musst du natürlich deine Einnahmenüberschussrechnung und ggf. die Umsatzsteuerzusammenfassung abgeben.

Entweder du liest dich in dieses Thema ein oder du gibst das an dein Steuerberater weiter. Schließlich musst du dich ja um das Wesentliche kümmern – Deine Aufträge.

Arbeiten um zu (Über)leben

Herzlichen Glückwunsch du bist nun Freelancer! Wenn du dich nun nach potentiellen Auftraggebern umsiehst, dann hast du vielleicht was falsch gemacht. An diesem Punkt solltest du schon deinen ersten Auftrag haben oder kurz davorstehen. Es gibt Meinungen, dass man sich auf jeden Fall erst mal beim Finanzamt melden muss bevor man ein erstes Angebot annimmt, um sich nicht in irgendeiner Form strafbar zu machen. Dieser Schutzgedanke ist im Grunde vollkommen richtig aber leider sehr häufig nicht alltagstauglich. Die meisten Freelancer haben einen Auftrag erhalten und sich dann parallel zum Auftrag Gedanken über die behördlichen Schritte gemacht.

Diese Auftragssicherheit bestätigt dich dabei seinen Weg zu gehen und seine Tätigkeit zu melden. Diese Auftragssicherheit gibt es leider nicht jeden Monat und damit du in Zukunft es leichter hast einen Aufträge zu bekommen siehst du nun ein paar Vorschläge um dein Auftraggeber Netzwerk zu erweitern. Denn je mehr Kunden du glücklich machst, desto größer die Empfehlungswahrscheinlichkeit und desto voller dein Auftragsbuch.

  • Stelle dich und ein Können in Freelancer Facebook Gruppen vor. Es gibt immer den ein oder anderen Freelancer der noch einen Partner für ein Projekt sucht, der mit seinen Fähigkeiten ergänzen kann. Wenn du beispielsweise Texte schreibst, dann werden deine Fähigkeiten evtl. in ein Online Marketing Projekt benötigt.
  • Nutze Coworking Spaces. Hier arbeiten Designer neben Marketern neben Programmieren. Du kannst dich ganz leicht mit Menschen verbinden und einen einfachen Einstieg in ein Projekt bekommen. Google einfach nach Coworking Spaces in deiner Stadt.
  • Melde dich auf Freelance Plattformen wie Tennerr.de an und stelle dich und deine Angebote ausführlich vor. Du hast hier eine einmalige Arbeit dich zu registrieren und deine Angebote zu erstellen, kannst aber in Zukunft immer davon profitieren wenn du aufgefunden wirst. Viele Plattformen haben auch eine Gesuch Rubrik, bei der ein Projekt vorgestellt wird und sich Freelancer darauf bewerben können.

Du bist ein Produkt oder wie werde ICH eine Marke

Egal welche Plattform du für deine Auftragsakquise nutzt, präsentiere dich als Marke. Das ist langfristig enorm wichtig, denn es wird deinen Widererkennungswert steigern und dich am Markt einzigartig machen. Das wiederum führt zu einem höheren Umsatz, da deine Preisstruktur sich der Nachfrage anpassen wird.

Aber nochmal einen Schritt zurück. Du bist Freelancer und stellst in der Regel eine bestimmte Dienstleistung zur Verfügung. Anders gesprochen produzierst du ein Resultat oder Produkt in einer bestimmt vereinbarten Zeit. Nun aber eine kritische Frage.

Was unterscheidet dich nun von einem Roboter, welcher das gleiche Ziel erreicht und dabei vielleicht schneller oder sogar besserer Resultate liefert?

Ganz einfach. Deine persönliche Note! Ohne Frage die Zukunft wird von Künstlicher Intelligenz beherrscht werden und Aufträge wie das schlichte Übersetzen von einem Text werden heute schon von DeepL schnell, kostenlos und in überraschend guter Qualität erledigt. Da hält kein normaler menschlicher Übersetzer mehr mit. Also ist es wichtig für den Übersetzer sich von der Masse und von Künstlicher Intelligenz abzuheben, indem er oder sie beispielsweise ein Lektorat oder eine SEO optimierte Übersetzung anbietet. Oder die Übersetzung an den Schreibstil der Auftraggeber anpasst.

Das nächste Level ist sich als Marke zu vermarkten und ein eigenes persönliches Profil inklusive durchgängigem Design, Beispielaufträge darstellt und Rezensionen seiner Kunden aufzeigt. So etabliert sich ein Markenbewusstsein rund um den Freiberufler und wird ihm auch in Zukunft ein Einkommen sichern.

Fazit

Die bürokratischen Hürden in Deutschland Freelancer zu werden sind wirklich gering und der nachfolgende Papierkram an sich überschaubar. Den ersten Kunden haben die meisten Freelancer auch an Bord gezogen und die Suche nach weiteren Aufträgen ist Dank Social Media, Internet und Freelancer Plattformen einfach. Das Schwierigste ist vermutlich die Entscheidung zu treffen den Weg der Selbstständigkeit zu gehen und den vermeidlich „sicheren“ Hafen des Angestelltenverhältnisses zu verlassen. Am Wichtigsten ist es aber sich stetig fortzubilden und die Digitalisierung für sich zu nutzen, um als Marke am Markt aufzufallen.

 

Katalog der Freiberufler: https://erfolgreich-wirtschaften.de/katalog-der-freiberufler/

Anmeldeformular Freiberufler: https://www.formulare-bfinv.de/ffw/form/display.do?%24context=8C960D2C7ACB0D37F9B3

 

Das Beitragsbild wurde bereitgestellt von:

DESIGNECOLOGIST

13. November 2018